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Du lässt Lighthouse über deine Website laufen und entdeckst plötzlich eine neue Kategorie: Agentic Browsing. Darin taucht ein Audit auf, das nach einer Datei namens /.well-known/ai-catalog.json sucht. Was steckt dahinter? Brauchst du die Datei wirklich? Und was passiert, wenn du sie nicht hast? In diesem Beitrag bekommst du die Antworten und eine praktische Anleitung, mit der du das Audit bestehst.

Was ist die Kategorie „Agentic Browsing“ in Lighthouse?

Mit Lighthouse 13.5 hat Google eine experimentelle Kategorie eingeführt. Sie prüft, wie gut KI-Agenten mit deiner Website arbeiten können. Gemeint sind Agenten, die für Nutzer Seiten besuchen, Formulare ausfüllen, Informationen sammeln oder Dienste aufrufen.

Die Kategorie bündelt mehrere Prüfungen:

  • WebMCP-Integration: Stellt deine Seite Werkzeuge bereit, die ein Agent direkt im Browser nutzen kann (deklarativ im HTML oder imperativ per JavaScript)?
  • Agent Discoverability: Gibt es eine llms.txt und einen gültigen ARD-Katalog, also die ai-catalog.json?
  • Barrierefreiheit für Agenten: Haben Bedienelemente sinnvolle Namen und Labels, und ist der Accessibility-Tree sauber?
  • Layout-Stabilität: Springt das Layout so, dass ein Agent ins Leere klickt?

Einen wichtigen Unterschied zu Performance oder SEO gibt es: Die Kategorie hat keinen gewichteten Score von 0 bis 100. Lighthouse zeigt stattdessen ein Verhältnis an, also wie viele der Agenten-Checks deine Seite besteht. Google begründet das damit, dass die Standards für das „agentische Web“ noch im Entstehen sind.

Lighthouse & Agentic Browsing

Was ist die ai-catalog.json?

Die ai-catalog.json ist ein maschinenlesbares Inhaltsverzeichnis für KI-Agenten. Sie liegt unter https://deine-domain.de/.well-known/ai-catalog.json und listet auf, welche aufrufbaren Ressourcen deine Domain anbietet, zum Beispiel:

  • MCP-Server (Model Context Protocol), über die ein Agent Werkzeuge nutzen kann,
  • A2A-Agenten (Agent-to-Agent) mit ihren Agent Cards,
  • APIs, etwa für Produktsuche, Buchungen oder Verfügbarkeiten,
  • weitere Ressourcen wie Wissensdateien.

Man kann sich die Datei wie eine Sitemap vorstellen, nur eben für Dienste statt für Seiten. Ein Agent muss nicht raten, ob es bei dir eine API oder einen MCP-Server gibt. Er liest den Katalog und weiß sofort, was er wo findet.

Das Datenmodell stammt aus dem Projekt AI Catalog, das unter dem Dach der Linux Foundation entwickelt wird. Darauf baut Agentic Resource Discovery (ARD) auf, ein Standardvorschlag, an dem unter anderem Autoren von Google, Microsoft und Hugging Face beteiligt sind. Beide Spezifikationen sind noch Entwürfe und können sich ändern.

ai-catalog.json, llms.txt und WebMCP: Wo liegt der Unterschied?

Die drei Begriffe tauchen im Lighthouse-Bericht nebeneinander auf, lösen aber verschiedene Aufgaben:

llms.txt, ai-catalog.json und WebMCP im Vergleich

Kurz gesagt: Die llms.txt hilft einem Sprachmodell, deine Inhalte zu verstehen. Die ai-catalog.json zeigt einem Agenten, welche Dienste er bei dir nutzen kann, noch bevor er eine Seite öffnet. WebMCP kommt ins Spiel, wenn der Agent bereits auf deiner Seite ist und dort etwas erledigen soll.

So sucht Lighthouse nach deinem Katalog

Das ARD-Audit (in Lighthouse als ard-schema geführt) prüft vier Fundorte nacheinander. Sobald einer davon auf einen Katalog verweist, lädt Lighthouse ihn und gleicht ihn mit dem Schema ab:

Suchreihenfolge des ARD-Audits in Lighthouse 13.5

Wichtig für dich: Findet Lighthouse gar keinen Katalog, ist das Ergebnis „Not Applicable“. Das ist neutral und kein Fehler. Durchfallen kannst du nur, wenn Lighthouse einen Katalog findet, der sich nicht laden lässt oder nicht zum Schema passt.

Brauchst du überhaupt eine ai-catalog.json?

Die ehrliche Antwort: Nur, wenn du etwas anbietest, das ein Agent aufrufen kann.

  • Ja, wenn du einen MCP-Server, einen A2A-Agenten oder eine öffentliche API betreibst, etwa für Produktsuche, Terminbuchung oder Verfügbarkeitsabfragen.
  • Eher nein, wenn du einen Blog, eine Unternehmensseite oder eine klassische Broschüren-Website betreibst. Dann gibt es schlicht nichts zu katalogisieren.

Erfinde keinen Katalog, nur um ein grünes Häkchen zu bekommen. Ein leerer oder künstlich gefüllter Katalog bringt Agenten keinen Nutzen. Außerdem ist das Audit kein Ranking-Faktor für die Google-Suche. Es misst, wie bereit deine Seite für Agenten ist, nicht wie gut sie rankt.

So ist eine ai-catalog.json aufgebaut

Laut AI-Catalog-Spezifikation braucht die Datei auf oberster Ebene nur zwei Pflichtfelder:

  • specVersion: die Version der Spezifikation, aktuell "1.0"
  • entries: eine Liste von Einträgen (darf auch leer sein)

Optional kommt ein host-Objekt hinzu, das den Betreiber benennt (Pflicht darin ist displayName). Jeder Eintrag braucht einen eindeutigen identifier, einen type (meist ein Media Type) und genau eines der Felder url oder data. Felder wie displayName, description, tags, version und updatedAt sind optional, aber für Agenten sehr hilfreich.

Ein Beispiel für eine Domain mit einem MCP-Server und einem A2A-Agenten:

Die Media Types application/mcp-server-card+json und application/a2a-agent-card+json verweisen auf die jeweiligen Beschreibungsformate. Der Katalog ersetzt diese Formate nicht, sondern legt eine Auffinde-Schicht darüber.

Schritt für Schritt: ai-catalog.json einrichten

  1. Bestandsaufnahme machen: Liste alle Dienste auf, die ein Agent bei dir aufrufen kann. Ist die Liste leer, kannst du hier aufhören.
  2. Datei anlegen: Erstelle die JSON-Datei nach dem Muster oben und lege sie unter /.well-known/ai-catalog.json ab.
  3. Richtig ausliefern: Die Datei muss mit HTTP-Status 200 und dem Content-Type application/json antworten. Ein CORS-Header (Access-Control-Allow-Origin: *) schadet nicht, damit Agenten sie auch aus dem Browser heraus lesen können.
  4. Zusätzlich verlinken: Füge im <head> deiner Seite einen Verweis ein und ergänze deine robots.txt um eine Agentmap-Zeile:<link rel=”ai-catalog” href=”/.well-known/ai-catalog.json”> Agentmap: https://beispiel.de/.well-known/ai-catalog.json
  5. Mit Lighthouse testen: Starte Lighthouse in einer aktuellen Chrome-Version und prüfe das Audit in der Kategorie „Agentic Browsing“.

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

Die SPA liefert HTML statt JSON

Viele Single-Page-Apps leiten jede unbekannte URL auf die index.html um, und zwar mit Status 200. Lighthouse erhält dann HTML statt JSON und meldet einen Fehler. Nimm /.well-known/ (und am besten auch /llms.txt) ausdrücklich von dieser Umleitung aus.

Login- oder Middleware-Weiterleitungen

Leitet eine Authentifizierungs-Middleware die Anfrage auf eine Login-Seite um, landet wieder HTML beim Audit. Das Ergebnis ist eine Meldung wie „Malformed JSON in manifest“. Der Katalog muss öffentlich und ohne Anmeldung erreichbar sein.

url und data gleichzeitig

Ein Eintrag darf entweder auf eine externe Beschreibung verweisen (url) oder sie direkt enthalten (data), aber nie beides. Achte auch auf eindeutige identifier-Werte.

WordPress-Plugins überschreiben die robots.txt

Wenn ein SEO-Plugin deine robots.txt generiert, kann die Agentmap-Zeile beim nächsten Update verschwinden. Prüfe nach Plugin-Updates, ob sie noch da ist, oder trage sie über die Einstellungen des Plugins ein.

ai-catalog.json oder ard.json? Der Stand der Dinge

Hier wird es etwas verwirrend: Die ARD-Spezifikation hat in Version 0.91 (August 2026) den bevorzugten Pfad auf /.well-known/ard.json geändert. Die ai-catalog.json gilt dort nur noch als älterer Pfad. Lighthouse 13.5 sucht aber noch nach der ai-catalog.json und dem Link-Typ ai-catalog.

Bis sich die Werkzeuge angeglichen haben, ist die pragmatische Lösung: Stelle denselben Katalog unter beiden Pfaden bereit und ergänze die Agentmap-Zeile in der robots.txt. Damit finden ihn sowohl Lighthouse als auch Agenten, die sich nach der neuen Spezifikation richten. Behalte die Entwicklung im Auge, denn beide Standards sind noch Entwürfe.

Fazit: Gelassen bleiben, gezielt handeln

Die ai-catalog.json ist ein Wegweiser für KI-Agenten zu den Diensten deiner Domain. Bietest du MCP-Server, Agenten oder APIs an, lohnt sich die Einrichtung schon jetzt. Sie kostet wenig Aufwand und macht deine Dienste für das agentische Web auffindbar. Betreibst du eine reine Inhaltsseite, ist „Not Applicable“ völlig in Ordnung. Dann bringt dir eine gepflegte llms.txt, saubere Barrierefreiheit und ein stabiles Layout im Agentic-Browsing-Bericht deutlich mehr.

Quellen und weiterführende Links

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